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Was? Junge Chinesen in Lederhosen oder Dirndl in Beijing (Peking)?

 

Klingt nicht sehr vertraut und vorstellbar. Ist es auch nicht.

 

Die Lederhosen sind nicht aus Leder und die Einheits-Dirndl zeigen nicht die vertrauten „Ausschnitte" die wir von unserem Bayerischen-Volksfest-Hunting gewohnt sind…

 

Für den Zeitraum vom 16. Juli bis 15. August 2011 wurde auf dem Gelände „Xiedao Holiday Resort" (Krabbeninsel), nahe dem Flughafen in Beijing, das „International Beerfestival" aufgebaut. Beraten wurden die Veranstalter dabei von keinem Geringeren als dem Münchner Wiesnwirt Michael Schottenhamel.

 

5 Jahre Vorbereitung waren notwendig um alle Verhandlungen zu führen, Genehmigungen zu erhalten und die „Bierzelte" aufzubauen. Offizieller Baubeginn dafür war der 1. September 2010.

 

Die 8 Zelte sind für eine Maximalkapazität von 84.000 Sitzplätzen ausgelegt (Münchener Wiesn = 105.000). Das größte Zelt hat 15.000m² Fläche, die anderen ca. 10.000m². Das HB Festzelt, das größte auf der Wiesn ist 7.000m² groß (klein). Wenn ich über Zelte rede, meine ich in diesem Fall massive Gebäude, im Charakter eher an ein Lagerhaus erinnernd. Übrigens, die Tische und Bänke waren am Boden festgeschraubt. Zumindest kann man damit nicht umfallen, wenn man darauf das Lasso schwingt oder sich das rote Pferd umkehrt.

 

 

Das gesamte Gelände (inklusive Nebengebäude etc.) ist mit seinen 420.000m² so groß wie die Münchner Wiesn.

 

Neben einigen Fahrgeschäften gibt es auch Losbuden und Ringewerfen. Nicht so wie wir es von der Wiesn kennen, aber immerhin kann man auch dort riesige Pink-Panther gewinnen, wer braucht die nicht!?

 

 

Die „Krabbeninsel" ist mit dem Taxi vom Beijing aus in ca. 30 Minuten zu erreichen. Eintritt ‚wird mit RMB 30,- berechnet, was zurzeit etwa € 3,30 sind. Man erhält dafür eine hübsche in Plastikfolie eingepackte Eintrittskarte.

 

 

Die wird man aber gleich ein paar Meter weiter vor dem Security Check wieder los. Auf meine Bitte die Karte behalten zu dürfen, habe ich nur verwunderte Blicke und strenge Ablehnung erhalten. Die Karten werden gesammelt und wieder dem Recycling durch andere Gäste zugeführt. Man könnte meinen, dass die Jungs von der Security persönlich dafür haftbar gemacht werden, dass am Abend alle ausgegebenen Kärtchen vollzählig wieder in den Ticketbuden landen.

 

 

Chinesische Lederhosen sind aus einem grob-pixeligen, tarnfarbenen Stoff hergestellt.

 

Die Dirndl der Bedienungen sind schlicht und entweder in rosa, blau oder gelb gehalten. Selbst die Reinigungskräfte tragen Dirndl.

 

Aber so richtig stellt sich für einen eingefleischten Wiesngänger nicht der typische

 

„Da-schau-her-Effekt" ein.

 

Man muss bedenken, dass es bei der großen Anzahl an deutscher und chinesischer Bedienung sicherlich nicht machbar ist, alle in echten Lederhosen und schicken Dirndl aus einer Manufaktur auszustatten. So hat man das ökonomische Minimumprinzip ausgereizt.

 

 

Die deutschen Bedienungen geben in dem für sie völlig fremden Kulturkreis täglich ihr Bestes. Es wurden eigens ca. 200 Bedienungen aus Berlin, Hamburg, Leipzig, Regensburg, München etc. rekrutiert und eingeflogen. In ihrem harten 8-Stundendienst müssen sie die Sprachschwierigkeiten überwinden und die Besucher dazu animieren, Bestellungen für Bier oder Essen aufzugeben. Da haben es die chinesischen Bedienungen doch etwas einfacher an ihre Landsleute heranzukommen.

 

Die Wohnungen der Helfer aus Deutschland (und aus der Ukraine) sind gleich neben dem Gelände. Es wurden eigens dafür Holzhütten aufgebaut in denen jeweils 4 Personen unterkommen. Verpflegung, Unterkunft, Flüge und ein gewisses Entgelt werden bezahlt. Ein Zusatzverdienst ist durch den Verkauf jeder Mass möglich.

Unsere Trinkgeldkultur gibt es, wie auch in Japan, eher nicht. Eine goldene Nase wird man sich hier nicht verdienen können. Die Erfahrungen, die die jungen Menschen hier machen werden, sind eh unbezahlbar. Wann bekommt man schon mal die Gelegenheit, gleichzeitig auf der Wiesn und auf der Chinesischen Mauer zu tanzen?

 

Bei den chinesischen Fotografen sind die deutschen Bedienungen zumindest sehr beliebt als Model und sie müssen ständig posen.

 

 

 

Die Zelte tragen Namen wie „Glasbläser Festzelt", „Watzmann", „Bayerischer Himmel" oder auch „Isarflößer Festzelt".

 

Die zwei angebotenen Biersorten (helles und dunkles Weizen) werden vor Ort nach deutschem Rezept gebraut. Der leicht süßliche Geschmack erfrischt, ist aber auf die chinesischen Geschmacksnerven abgestimmt.

 

  

 

Der Bierpreis wurde von anfangs RMB 90,- (€9,87) mittlerweile auf RMB 60,- (€6,75) abgesenkt. Das sind durchaus Münchener Verhältnisse. Für den Grossteil der Pekinger Bevölkerung mit einem Durchschnittseinkommen von (offiziell) monatlich ca. €660,- bzw. bei ca. €305,- für Fabrikarbeiter ist das nicht gerade ein Schnäppchen. Dazu kommen noch der Eintritt und die Fahrtkosten.

 

In jedem Zelt werden andere Spezialitäten angeboten. Mal „Rost Lamb", „Rost String" oder Fisch mit Sauerkraut. Brez`n gibt es natürlich auch. Geschmacklich sind diese Köstlichkeiten sicherlich auch für den heimischen Markt kreiert worden. Den Chinesen gefällt es!

 

 

Die Musik ist breit gefächert von chinesischer Folklore (oder was ein Deutscher dafür hält) über Rock / Pop bis hin zu Stimmungsmusik. Natürlich auf Chinesisch. Zwei japanische Lieder wurden zu meinem Erstaunen ebenfalls vorgetragen. Es scheint bei solchen Veranstaltungen üblich zu sein, dass diese durch Versteigerungen unterbrochen werden. Da wurden dann mal eben (für über eine Stunde!) riesige Rollbilder mit Tigern, Pferden, Natur oder Schriftzeichen angeboten und sind auch weggegangen.

 

 

Angenehm ist, dass es keine reservierten Tische gibt. Ich hatte freie Platzwahl.

 

Bei meinem Besuch lag die Zeltbelegungsquote bei ca. 5%. Das mag daran gelegen haben, dass es der erste Tag nach der Eröffnungsparty mit geladenen Gästen und VIPs war. Es wird sich hoffentlich noch weiter in Beijing und Umgebung herumsprechen und mehr Menschen finden den Weg raus nach Xiedao, hin zu einem kleinen Teil der deutschen (Trink-)Kultur.

 

Bin mal gespannt wie erfolgreich das Konzept der Wiesn in China aufgeht. Die Zelte sind durchaus für weitere Jahre verwendbar. Meine chinesischen Kollegen würden sich allerdings wünschen, dass das Gelände besser erreichbar ist und nicht so weit vom Zentrum entfernt liegt.

 

Zu einem zünftigen Besuch auf der Wiesn gehört die eine oder andere Mass. Aber auch die Chinesen kennen den Spruch: „…No Driving after Driking" oder so, siehe Bild. Es soll sogar welche geben, die sich daran halten.

 

 

Zu guter Letzt möchte ich mich persönlich bei den Damen bedanken, die ihre Skepsis überwunden und den Spaß mitgemacht haben sich fotografieren zu lassen. Die Ausschnitte der chinesischen Wiesn könnt Ihr natürlich bei uns finden. Es gab sogar ein Wiedersehen mit einer „alten" Bekannten von der Regensburger Maidult. Mal sehen ob ihr herausbekommt, wer von diesen Aussichten jetzt auch chinesisches Bier durch die Gegend schleppen durfte.

 

Dekolletees chinesischer Mitarbeiterinnen habe ich nicht vor die Linse bekommen können. Woran das nun lag…?

 

© Wiesnausschnitte 2011